Entzündliche Darmerkrankungen

Bild: Schlafende Frau mit Magenschmerzen

Epidemiologie

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind zwei schwere chronisch-entzündliche Darmerkrankungen. Während beim Morbus Crohn der gesamte Verdauungstrakt, und vor allem der Übergang des Dünndarms in den Dickdarm befallen sein kann, ist die Colitis ulcerosa eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Dickdarms.
 

Morbus Crohn

Epidemiologie

Man schätzt, dass etwa 0,15 % bis 0,2 % der Bevölkerung davon betroffen sind. Das bedeutet, dass von 100.000 Menschen 150 bis 200 an Morbus Crohn leiden. Jedes Jahr kommen circa 6 bis 10 Neuerkrankungen pro 100.000 Menschen hinzu. Die Erkrankung betrifft oft jüngere Menschen im Alter zwischen 15 und 30 Jahren, wobei das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ausgeglichen erscheint.

 

Ursachen

Die Ursache des Morbus Crohn ist nach wie vor nicht vollständig aufgeklärt. Man geht davon aus, dass verschiedene Faktoren für die Entstehung verantwortlich sind:

  • Erbliche Komponenten spielen bei der Entstehung von Morbus Crohn eine Rolle.
  • Umweltfaktoren wie beispielsweise Rauchen und chemische Fremdstoffe.
  • Möglicherweise spielen aber auch Infektionen durch Bakterien oder Viren eine ursächliche Rolle.
  • In jedem Fall scheint eine Fehlsteuerung des körpereigenen Abwehrsystems den chronischen Entzündungsprozess in Gang zu setzen.
     

Symptome

Typische Beschwerden sind chronische Durchfälle, Blähungen und Bauchschmerzen. Zu unspezifischen Beschwerden zählen Fieber, Mangelerscheinungen und/oder Gewichtsverlust sowie Übelkeit und Erbrechen.

Neben den bereits erwähnten Symptomen können beispielsweise auch Fisteln (krankheitsbedingte Verbindungsgänge die meistens von den Darmschlingen ausgehen und an der Körperoberfläche münden), Veränderungen der Haut, Gelenkbeschwerden, Entzündungen der Augen und Gallenwege auftreten. Die Beschwerden treten schubartig auf und wechseln sich mit weitgehend beschwerdefreien Intervallen (Remission) ab.

 

Diagnose

Die Erhebung der Vorgeschichte und die körperliche Untersuchung stellen die wichtigsten Säulen der Diagnostik dar.

 

Die Blutuntersuchungen geben Aufschluss über das Vorliegen einer Entzündung. Anhand einer Stuhlprobe kann man mögliche Krankheitserreger nachweisen. Es gibt jedoch keine für entzündliche Darmerkrankungen typische Stuhlveränderung.

 

Anhand von Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen können typische Veränderungen des Darms dargestellt werden. Die Röntgenuntersuchung wird jedoch zunehmend durch neuere Untersuchungsmethoden wie die Computer-Tomographie (CT) und die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) ersetzt.

 

Für eine weitere diagnostische Abklärung von Morbus Crohn werden zusätzlich eine Darm- und Magenspiegelung durchgeführt. Oder man bedient sich der neuen Methode der Kapselendoskopie (Schlucken einer kleinen Kamera).

Colitis ulcerosa

Epidemiologie

Daten zur Häufigkeit und Verteilung der Colitis ulcerosa liegen nicht vor. Erhebungen aus anderen europäischen Ländern lassen zwischen 5 und 8 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner pro Jahr vermuten. Auf Österreich umgelegt ergibt das eine Anzahl von 30.000 bis 40.000 PatientInnen.

 

Ursachen

Das aktuelle Erklärungsmodell für die Entstehung der Colitis ulcerosa bietet die Vorstellung, dass das Immunsystem des Darmes, bedingt durch eine genetische Veranlagung, unverhältnismäßig stark gegen die eigene Darmflora reagiert.

 

Bei Colitis ulcerosa können die Entzündungsprozesse im Darm nicht mehr kontrolliert werden und eine chronische Entzündung ist die Folge.

 

Symptome

Bedingt durch die chronische Entzündung des Dickdarms und des Enddarms kommt es bei der Colitis ulcerosa zu Durchfällen mit Schleim- und Blutbeimengungen. Häufig klagen die PatientInnen dabei über krampfartige Bauchschmerzen vor und nach dem Stuhlgang. Fieber, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Gewichtsverlust sind ebenfalls Beschwerden, unter denen die PatientInnen leiden können.

 

Durch den chronischen Blutverlust und die Entzündung können PatientInnen mit Colitis ulcerosa eine Blutarmut (Anämie) entwickeln.

 

Entzündungen können nicht nur den Darm, sondern auch Gelenke, die Wirbelsäule, Haut oder Augen betreffen.

 

Diagnose

Wie bei dem Morbus Crohn, bilden auch bei der Colitis ulcerosa die Erhebung der Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung die Basis für eine Diagnosestellung.

 

Das Blut wird auf das Vorhandensein von Entzündungsmarkern untersucht. Mittels einer Stuhlprobe kann eine mögliche Infektionskrankheit abgeklärt werden.

 

Die Dickdarmspiegelung stellt die Untersuchung mit dem höchsten diagnostischen Wert bei Verdacht einer Colitis ulcerosa dar. Im Zuge einer Darmspiegelung kann eine Gewebeprobe entnommen werden. Die Untersuchung dieser Gewebeproben kann ebenfalls die Diagnosesicherung unterstützen.

 

 

Therapie von Colitis ulcerosa und Morbus Crohn

Eine heilende Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen ist derzeit nicht möglich. Ziel einer Therapie stellt die Bekämpfung der Entzündung im Darm und eine langfristige Beschwerdefreiheit der PatientInnen dar.

 

Folgende Medikamentenklassen stehen zur Behandlung entzündlicher Darmerkrankungen zur Auswahl:

 

5-ASA-Präparate (5-Aminosalicylsäure) dienen der Entzündungshemmung vor Ort im Darm und werden bei leichten bis mittleren Schüben verwendet.

 

Spezielle Bakterien, welche die Darmflora günstig beeinflussen (Probiotika), sind während den beschwerdefreien Phasen einer Colitis ulcerosa 5-ASA-Präparaten ebenbürtig.

 

Glukokortikoide vermitteln eine starke Entzündungshemmung und stellen einen wesentlichen Bestandteil in akuten Situationen (Schub) dar.

 

Immunsuppressiva unterdrücken das körpereigene Abwehrsystem, das bei entzündlichen Darmerkrankungen fehlgeleitet ist. Sie kommen zum Einsatz, wenn die bisher beschriebenen Medikamente (5-ASA-Präparate und Glucocorticoide) nicht ausreichend wirken.

 

Biologika verdanken ihren Namen ihrer Eigenschaft körpereigenen, natürlichen Stoffen nachempfunden zu sein. Bestimmte Vertreter dieser Gruppe, die sogenannten TNF-alpha-Blocker, schalten entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Dadurch kann der entzündliche Prozess und die daraus resultierende Zerstörung der Darmschleimhaut reduziert werden.

 

Antibiotika: Besteht der Verdacht auf eine bakterielle Infektion, werden Antibiotika eingesetzt.

 

PatientInnen, denen mit einer medikamentösen Therapie nicht ausreichend geholfen werden kann, oder bei schweren Komplikationen, wird eine Operation empfohlen.

 

Alternative Therapiemethoden wie zum Beispiel Akupunktur oder Psychotherapie können unterstützend eingesetzt werden.

 

Hinweis: Dieser Text dient zu Ihrer allgemeinen Information. Bitte suchen Sie einen Arzt auf, wenn Sie Fragen oder Beschwerden haben.